Privat Coaching
nehmen?
Als Coaching Anfang der 80er Jahre in
den USA und in der Folge auch im deutschsprachigen
Raum ein Thema wurde, da waren die Auftraggeber
fast ausschließlich Unternehmen,
die ihre Mitarbeiter auf diese Weise unterstützen
wollten.
Im Laufe der Jahre nahmen sich mehr und
mehr die Personalentwickler in den Unternehmen
des Themas an. Es entwickelte sich ein
Markt für Coaching, der
von den Anforderungen der Unternehmenskunden
geprägt war. Und das war auch gut
so: Nur so konnte eine Professionalisierung
stattfinden, die abseits esoterischer
Gedankengebäude einen mittlerweile
weitgehend standardisierten und seriös
geprägten Coaching-Begriff prägte.
Die Ursachen dafür, dass Coaching
selten von Privatpersonen in Anspruch
genommen wurde, lagen allerdings weniger
in der Angst vor unseriösen Coaches
und esoterischem Überbau. Vielmehr
war alles, was mit Beratung bei persönlichen
und daraus resultierenden beruflichen
Problemen zu tun hatte, nicht selten mit
Tabus, zumindest aber mit Klischees belegt:
Sich auf die Couch legen,
es nicht selbst schaffen,
nicht ganz in Ordnung sein
- damit wollte niemand gemeint sein.
Das hat sich grundlegend geändert.
Zum einen hat in den letzten Jahren eine
regelrechte Psychologisierung unserer
Gesellschaft stattgefunden. Man hat entdeckt,
wie spannend und facettenreich das ist,
was in unserem Kopf passiert.
Zum anderen hat uns die Fitness-Welle
für den Gedanken geöffnet, an
uns zu arbeiten, selbst etwas an uns zu
verändern, leistungsfähiger
zu werden. Auf einmal ist es nicht mehr
peinlich, wenn man sich dabei beraten
lässt, wie man etwas weniger schnell
außer Atem kommt. Im Gegenteil,
wer sich sogar einen Personal Trainer
leistet, der gilt als besonders konsequent
und zielstrebig.
Was für die körperliche Fitness
gilt, gilt nicht weniger für unsere
geistige Fitness. Wer sich nicht einfach
damit abfindet, in bestimmten beruflichen
Situationen immer wieder gegen die Wand
zu laufen, die gleichen Fehler zu machen
oder auf unerklärliche Widerstände
zu stoßen, der übernimmt Verantwortung
für sich selbst. Und wenn der Arbeitgeber
Coaching nicht anbietet oder der Klient
den Arbeitgeber nicht einbinden will,
dann ist es durchaus sinnvoll, selbst
einen Coach zu engagieren.
Bei der Auswahl eines Coaches ist es
sinnvoll, sich an professionellen Standards
zu orientieren. Eine vom DBVC (Deutscher
Bundesverband Coaching e.V.) anerkannte
Ausbildung ist ein guter Startpunkt. Die
Möglichkeit, den Coach in einem kostenfreien
Vorgespräch kennen zu lernen, sollte
ebenfalls dazu gehören. Danach kann
der Klient dann entscheiden, ob die vielzitierte
Chemie stimmt und eine vertrauensvolle
Athmosphäre möglich ist. Coaching
per Telefon oder E-Mail kann in Einzelfällen
eine sinnvolle Ergänzung zu persönlichen
Gesprächen sein, kann diese aber
nicht ersetzen. Deshalb sollte das Coaching
in persönlichen Sitzungen unter vier
Augen stattfinden.